Glossar

In dem Glossar erläutern wir, aufgeteilt nach den zwei Instrumenten (Exportkreditgarantien und UFK-Garantien) häufig vorkommende Begriffe und Themenbereiche.

Exporte

Die vom IMA formulierten juristischen Grundlagen für die Vergabe von Hermesdeckungen sind in den entsprechenden Allgemeinen Bedingungen der Exportkreditgarantien festgehalten.

Das Antragsverfahren ist ein öffentlich-rechtliches Verwaltungsverfahren, dass dem Verwaltungsverfahrensgesetz unterliegt. Um sicherzustellen, dass alle für die Antragsbearbeitung und spätere Entscheidung relevanten Daten vom antragstellenden Exporteur bzw. der antragstellenden Bank vollständig beigebracht werden, sind diese Daten systematisch abfragende Antragsformulare zu verwenden. Die Verpflichtung des Antragstellers, alle seine Angaben richtig und vollständig zu machen, wird durch die Allgemeinen Bedingungen sanktioniert: Eine Verletzung dieser Pflicht kann zur Haftungsbefreiung des Bundes im Falle einer aufgrund unrichtiger oder unvollständiger Angaben übernommenen Deckung führen. Anträge sind ausschließlich bei der Euler Hermes Aktiengesellschaft einzureichen. Für die Bearbeitung des Antrages werden in Abhängigkeit vom Auftragswert bzw. Kreditbetrag Antragsgebühren in einer Bandbreite zwischen EUR 100 und 6.000 erhoben. Sie sind auch dann zu entrichten, wenn die beantragte Deckung später aufgrund abschlägiger Entscheidung nicht übernommen wird. Die durchzuführende Prüfung des Antrages wird beschleunigt, wenn die Antragsteller Auskunftsmaterial über ihren ausländischen Kunden beifügen. Bei Auftragswerten ab EUR 15 Mio. wird ein Memorandum erforderlich, in dem ausführlich auf das Geschäft einzugehen ist (Finanzierung, Infrastruktur, Umweltaspekte, volkswirtschaftliche Bedeutung etc.). Anträge sollten möglichst frühzeitig gestellt werden; sie müssen in jedem Fall vor Risikobeginn (also vor Fertigungsbeginn bzw. vor Versand) eingereicht werden. Insbesondere bei Investitionsgütergeschäften empfiehlt sich eine Antragstellung schon in der Verhandlungsphase, damit eventuelle Bedingungen, die der Bund an die Übernahme einer Deckung stellt (z. B. Zahlungsbedingungen, Sicherheitenanforderungen), in die Vertragsverhandlungen Eingang finden können. Die (endgültige) Deckungsentscheidung ergeht in Form eines Verwaltungsaktes des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Soweit die Verträge noch nicht abgeschlossen sind, kann der Antragsteller vorab eine (zunächst auf 6 Monate) befristete, verlängerbare verwaltungsrechtliche Zusicherung erhalten, dass der Bund bei unveränderter Sach- und Rechtslage die Deckung übernehmen wird, sofern die Verträge innerhalb der gesetzten Frist abgeschlossen sind (sog. grundsätzliche Stellungnahme). Im Regelfall wird zusammen mit der endgültigen (positiven) Deckungsentscheidung der zwischen Bund und Antragsteller zustande kommende Gewährleistungsvertrag (sog. Exportkreditgarantie-Erklärung) übersandt. Im Gegensatz zur öffentlich-rechtlichen Deckungsübernahmeentscheidung ist dieser Vertrag dem Zivilrecht zuzuordnen. Er macht den eigentlichen Inhalt der Deckung aus, in dem er einerseits die relevanten Einzelaspekte des Geschäfts auflistet (z. B. die konkret gedeckte Forderung) und andererseits die jeweils anwendbaren Allgemeinen Bedingungen einbezieht.

Zur Absicherung von Kreditrisiken bei Exportgeschäften mit kurzfristigen Zahlungszielen bietet der Bund die Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistungen (APG) an. Die Exportwirtschaft erhält damit eine verwaltungsmäßig einfache und kostengünstige, dabei aber sehr flexible Möglichkeit, sich gegen den Forderungsausfall aufgrund wirtschaftlicher und politischer Ausfuhrrisiken zu schützen. Die Vertragsabwicklung erfolgt online über das Internet.

Eine APG besteht aus der "Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistungs-Erklärung" als einer Art Rahmenvertrag, welcher das Bedingungswerk darstellt, einem Verzeichnis der in die APG eingeschlossenen Absatzgebiete (Länderliste), eventuellen Länderbestimmungen sowie Deckungsbestätigungen auf die einzelnen bonitätsmäßig geprüften ausländischen Besteller. Das gesamte Vertragspaket wird auf der Grundlage der Allgemeinen Bedingungen für Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistungen (P) abgeschlossen.

Im Rahmen einer APG können Forderungen aus Liefergeschäften abgesichert werden, soweit deren Kreditlaufzeit 12 Monate nicht überschreitet. Falls ein Deckungsnehmer zusätzlich eine Absicherung der Risiken während der Fertigungsphase wünscht, kann ergänzend eine Fabrikationsrisikodeckung als Einzeldeckung außerhalb der APG beantragt werden.

Die APG bietet die Absicherung für Forderungen aus Geschäften mit Schuldnern in Ländern, die nicht der OECD angehören. Der Exporteur kann von diesen Ländern einzelne auswählen und muss dann aber zumindest alle privaten Besteller einschließen. Darüber hinaus kann er wahlweise Forderungen ausländischer Tochergesellschaften, Forderungen gegen verbundene Unternehmen, Forderungen gegen öffentliche Schuldner, akkreditivbesicherte Forderungen sowie Leistungsgeschäfte mit in seinen Pauschalvertrag einschließen. Positiv wirkt sich für ihn aus, dass der Bund erfahrungsgemäß auch bei gestiegenen Länderrisiken im Rahmen einer längeren Geschäftsbeziehung den Vertrauensschutz dadurch honoriert, dass er die Deckung innerhalb der APG noch relativ lange aufrechterhält, auch wenn Deckungsmöglichkeiten für Einzelgeschäfte möglicherweise schon eingeschränkt sind.

Ein großer Vorteil der APG ist die Erweiterung des Katalogs der gedeckten wirtschaftlichen Risiken um den sog. Nichtzahlungs- oder 6-Monats-Fall (protracted default). Dies bedeutet, dass eine Entschädigung (wie generell bei Einzeldeckungen für Geschäfte mit öffentlichen Käufern) bereits erfolgen kann, wenn der Schuldner - unabhängig davon, warum er nicht zahlt - 6 Monate nach Fälligkeit die unstreitige Exportforderung nicht beglichen hat. Voraussetzung ist allerdings, dass der Exporteur die nach den Regeln der kaufmännischen Sorgfalt erforderlichen Maßnahmen zur Einziehung der gedeckten Forderung ergriffen hat. Auch in diesem Schadenfall gelten die normalen Selbstbeteiligungssätze für wirtschaftliche Risiken (in der Regel 10 %).

Ein weiterer Vorteil ist ein Entgeltsatz, der in aller Regel deutlich unter dem für Einzeldeckungen liegt. Zudem entfallen Antrags- und Prüfungsgebühren. Die Höhe des Entgelts richtet sich danach, wie ausgewogen die Mischung der zu deckenden Risiken ist. Jede APG wird daher individuell kalkuliert.

Exporteure, die angesichts dieser Faktoren - günstigeres Entgelt, Wegfall von Bearbeitungsgebühren, kostensparende Handhabung zur Herstellung des Deckungsschutzes, erweiterter Deckungsschutz für Nichtzahlung innerhalb von 6 Monaten und insbesondere die Möglichkeit, standardmäßigem Deckungsschutz Erweiterungen hinzuzuwählen - Interesse am Abschluss eines Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistungs-Vertrages und zahlreiche Geschäftsbeziehungen mit dem Ausland haben, wenden sich bitte zwecks einer ausführlichen Beratung an die nächste Niederlassung der Euler Hermes Aktiengesellschaft.

Aufgrund der vom Exporteur in Form einer sog. Vordeklaration abzugebenden Daten und Angaben zu Unternehmen, Branche, Umsätzen, Absatzgebieten etc. wird dann ein kompletter unverbindlicher Entwurf eines APG-Vertrages ausgearbeitet. Der Entwurf ist entweder Grundlage für eventuelle weitere Verhandlungen, die zu Modifizierungen führen, oder bildet gleich die Basis für den Abschluss eines APG-Vertrages.

Exportkreditgarantien können übernommen werden, wenn die zu liefernde Waren oder die zu erbringenden Leistungen ihren Ursprung im Wesentlichen im Inland haben. Bei Auslandsanteilen ist zu unterscheiden zwischen Waren und Leistungen aus dem Bestellerland, den sog. örtlichen Kosten, und solchen aus Drittländern. Nachfolgend werden schwerpunktmäßig nur die Zulieferungen aus Drittländern behandelt.

Grundsätzlich stellt sich die Frage nach der Zulässigkeit der Einbeziehung von Auslandsanteilen aus Drittländern bei Lieferungen nur dann, wenn für die Ware nur ein ausländisches Ursprungszeugnis erhältlich ist. Werden ausländische Güter in der Bundesrepublik be- oder verarbeitet und gehen in ein Produkt ein, welches letztlich ein deutsches Ursprungszeugnis erhält, ist der Umfang ausländischer Lieferungen und Leistungen für dieses Produkt unbeachtlich. Nach der Handhabung des Bundes handelt es sich hierbei um inländische Ware.

Der Bund bestimmt den Warenursprung in Anlehnung an den Zollkodex der Europäischen Gemeinschaften nach dem Land, in dem die Ware der letzten wesentlichen und wirtschaftlich gerechtfertigten Be- oder Verarbeitung unterzogen wurde. In Deutschland sind für die Ausstellung von Warenursprungszeugnissen die Industrie- und Handelskammern zuständig. Bei Leistungen wird danach unterschieden, ob die Leistung vor ihrem "Export" überwiegend im Inland vorbereitet wurde oder ob sie bei überwiegender Erbringung im Ausland zumindest dem deutschen Exporteur zuzurechnen ist. Ist dies nicht der Fall, gilt sie als ausländische Leistung.

Einbeziehung von Auslandsanteilen

Folgende generelle Voraussetzungen sind bei der Einbeziehung von Auslandsanteilen in die Deckung zunächst zu beachten:

Ausländische Zulieferungen können nur gedeckt werden, wenn der deutsche Exporteur alle Risiken aus dem Ausfuhrgeschäft trägt und eine unbedingte Zahlungsverpflichtung gegenüber dem ausländischen Lieferanten hat, die er unabhängig davon, ob er selbst eine Gegenleistung von seinem Besteller erhält, erfüllen muss (d.h. keine Lieferung auf Basis von "if-and-when"). Wälzt der deutsche Exporteur das Risiko auf den ausländischen Zulieferer ab, ist die Auslandsware nicht beim Bund absicherbar und kann nur vom jeweiligen ausländischen Kreditversicherer im Rahmen einer Mitversicherung gedeckt werden.

Das Auslandsgeschäft darf zudem mit keinem besonders hohen Risiko behaftet sein, was beispielsweise dann der Fall ist, wenn etwa die Deckungsmöglichkeiten für das Land in erheblicher Weise eingeschränkt sind In diesen Fällen kann die Deckungsfähigkeit auf Waren inländischen Ursprungs beschränkt werden (sog. Hochrisikovorbehalt).

Im Regelfall ist der Vertrag mit dem ausländischen Kunden durch den Exporteur zu schließen. Sollte im Einzelfall der Exportvertrag von einem lokalen Verbundunternehmen im Ausland abgeschlossen werden und eine Abtretung der Exportforderung nicht ohne weiteres möglich sein, kann unter bestimmten Voraussetzungen dennoch eine Absicherung im Rahmen der sog. Erweiterten Lieferantenkreditdeckung möglich sein.

Umfang von Einbeziehungsmöglichkeiten im Mittel- und Langfristgeschäft

Seit einer Neuregelung (Oktober 2016) vollzieht sich die Einbeziehung von Lieferungen und Leistungen aus dem Ausland im Mittel- und Langfristgeschäft (mindestens 2 Jahre) nach Maßgabe eines 2-stufigen Modells (49-PLUS-Regelung), das nachfolgend dargestellt wird.

In der ersten Stufe können Lieferungen und Leistungen unabhängig von ihrer Herkunft bis zu einem Betrag von 49 % des Auftragswertes (einheitlicher "Sockelbetrag") ohne weitere Begründung in die Deckung einbezogen werden. Eine Einschränkung gilt dabei nur für den Anteil der lokalen Kosten, der aufgrund der Konsensus-Regelung den Wert von 23 % des (Gesamt-) Auftragswertes (das entspricht 30% des Exportauftragswertes) nicht überschreiten darf.

Im Rahmen der zweiten Stufe ist es von Fall zu Fall möglich Transaktionen in Deckung zu nehmen, deren Liefer- und Leistungsteil aus dem Ausland über 49 % liegt. In diesen Fällen ist die Unabdingbarkeit dieser Zulieferungen durch eine ausführliche Begründung des Exporteurs darzulegen.  Insoweit erfolgt eine Einzelfallentscheidung  über die Deckungsfähigkeit durch den IMA unter Abwägung der vorgebrachten Begründungen. Dabei steht regelmäßig im Mittelpunkt, inwieweit mit dem in Deutschland verbleibenden Anteil eine hohe Förderwirkung , ins-besondere unter dem Aspekt der Arbeitsplatzwirksamkeit erreicht wird.

In der Vergangenheit konnte bei den entsprechenden Fällen beobachtet werden, dass nicht ein alleiniger Aspekt für die Entscheidung des Bundes maßgeblich war. Im Regelfall war vielmehr eine Kumulierung verschiedener Gründe und deren ganzheitliche Bewertung für die positive Feststellung der Förderungswüdigkeit des Exportgeschäfts ausschlaggebend.

Beispielsweise wurde dargelegt, dass

•           aus Deutschland weiterhin die Schlüsseltechnologie stammt

•           in Deutschland die Gesamtprojektsteuerung vorgenommen wird,

•           bestimmte Komponenten für das konkrete Projekt aus technologischen Gründen nur im Ausland verfügbar sind,

•           der ausländische Besteller konkrete Lieferanten im Ausland vorgegeben hat bzw.

•           in Deutschland gegenwärtig keine Kapazitäten bestehen, um Lieferzeitvorgaben einhalten zu können.

Der Bund bietet Exporteuren ferner die Möglichkeit, frühzeitig – noch vor dem eigentlichen Deckungsantrag – im Rahmen einer unverbindlichen Voranfrage zu klären, ob die Übernahme einer Hermesdeckung auch dann möglich ist, wenn der Anteil ausländischer Zulieferungen 49% übersteigt. Hierzu kann der Exporteur eine formlose Projektskizze einreichen, die im Kern eine Projektbeschreibung, die geplante Lieferstruktur und eine Begründung für das Erfordernis des hohen Auslandsanteils sowie die Bedeutung des Projekts für ihn und den deutschen Standort enthalten sollte. Nach Prüfung teilt der Bund dem Exporteur im Rahmen eines unverbindlichen Indikationsschreibens mit, ob und bis zu welcher Höhe bei dem konkreten Geschäft ausländische Zulieferungen möglich sind. Die Voranfrage ist rein fakultativ und kein zwingender Schritt im Antragsverfahren. Die Prüfung der Voranfrage durch den Bund ist kostenlos. 

Umfang von Einbeziehungsmöglichkeiten im Kurzfristgeschäft

Bei Geschäften mit kurzfristigen Zahlungsbedingungen ist im Regelfall ein Einschluss von Auslandsware bis zu 100% möglich, soweit es sich um die Sammeldeckungen APG und APG-light handelt (Bei Revolving-Deckungen gelten gesonderte Regelungen). Als insoweit generell deckungsfähige Auslandsware wird insbesondere Transitware angesehen. Hierunter werden Güter verstanden, die üblicherweise zu kurzfristigen Zahlungsbedingungen im Transit gehandelt werden (vor allem Roh- und Grundstoffe, Agrarerzeugnisse, Düngemittel und Verbrauchsgüter). Generell sind hierbei die für die jeweilige Warenart maximal zulässigen Kreditlaufzeiten zu beachten (im Regelfall 180 Tage, bei einzelnen Warenarten 360 Tage). Voraussetzung für diese vollständige Deckung von Auslandsware ist die Förderungswürdigkeit des Geschäftsmodells des Exporteurs, die bei Zweifeln überprüft wird. 

Bei Einzeldeckungen gilt auch im Kurzfristbereich die 49 PLUS Regelung, d. h., hier sind – wie auch bei Kreditgeschäften – ohne weitere Begründung bis zu 49 % Auslandsware grundsätzlich zulässig. Bei höheren Auslandsanteilen ist deren Notwendigkeit im Rahmen einer Einzelfallprüfung – auch mit der Möglichkeit einer Voranfrage – zu begründen.

Weitere Einbeziehungsmöglichkeiten

Sollten die Auslandsanteile im Rahmen der nationalen Regelung nicht darstellbar sein, ist eine Deckungsübernahme zugunsten des deutschen Exporteurs nicht per se ausgeschlossen.

In diesem Fall besteht die Möglichkeit einer Deckungsübernahme zugunsten des deutschen Exporteurs, wenn die nationale Kreditversicherung des Landes, aus dem die Zulieferungen stammen, gegenüber dem Bund eine Rückversicherungszusage abgibt. Eine solche Rückversicherung eines ausländischen staatlichen Exportkreditversicherers bewirkt im Ergebnis, dass der Bund nur das Kreditrisiko für den deutschen Teil und die ausländische Kreditversicherung für den entsprechenden ausländischen Anteil übernimmt.

Für den deutschen Exporteur ist die Zusammenarbeit zwischen dem Bund und der ausländischen Kreditversicherung in der Regel nicht spürbar. Er bekommt eine Absicherung aus "einer Hand", die Risikoverteilung ist ausschließlich Sache der beteiligten Kreditversicherer.

Die "Avalgarantie" kann vom Exporteur als Ergänzung zur Vertragsgarantiedeckung beantragt werden. Sie garantiert dem Kreditinstitut, welches die vom Vertragspartner des Exporteurs verlangten Garantien herausgelegt hat, die Erstattung von 80 % des gezogenen Garantiebetrages durch den Bund. Die Erstattung wird auf erstes Anforderung und insbesondere unabhängig vom Ziehungsgrund, also auch im Falle des fair calling, vorgenommen.

Seit 1. Januar 2004 gelten für alle OECD-Exportkreditversicherer gemeinsame Verfahrensgrundsätze bei der Prüfung von Umweltauswirkungen geförderter Exportgeschäfte. Diese OECD-Regelungen ersetzen die in Deutschland seit 2002 auf freiwilliger Basis angewendeten Verfahrensempfehlungen der OECD-Exportkreditgruppe. Die „Common Approaches on Environment and Officially Supported Export Credits and Social Due Diligence“ – kurz Common Approaches genannt - ermöglichen durch ein systematisiertes Verfahren bei der Antragsprüfung die Identifizierung und Prüfung besonders umweltrelevanter Projekte, deren ökologische, soziale und entwicklungspolitische Auswirkungen einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Durch die Einigung auf einen abgestimmten Verfahrensablauf werden auf OECD-Ebene Wettbewerbsverzerrungen über den Faktor "Umwelt“ vermieden.

Alle Projekte und projektbezogenen Investitionsgüterlieferungen mit Zahlungsbedingungen ab 2 Jahren und einem deutschen Lieferanteil über 15 Mio. EUR werden nach den Regeln der Common Approaches auf ihre potenziellen Umweltauswirkungen überprüft. Je nach Umweltrelevanz und Zugehörigkeit zu einem bestimmten Industriesektor wird jedes dieser Geschäfte einer Umweltkategorie zugeordnet, die für die weitere Prüfungstiefe entscheidend ist. Der Prüfungsumfang für Großprojekte, die in sensitiven Gebieten (wie z.B. gesetzlich ausgewiesene Schutzgebiete oder Primärwald) errichtet werden, ist dementsprechend größer als für kleinere Maschinenlieferungen in ein bestehendes Industriegebiet. Ein Kernpunkt der Common Approaches: jedes vom Bund oder von einem anderen OECD-Mitgliedstaat gedeckte Projekt, das in den Anwendungsbereich der Common Approaches fällt, sollte internationalen Standards entsprechen. Weitere Einzelheiten zum Umweltverfahren der Common Approaches siehe Umweltaspekte.

Örtliche Kosten sind Aufwendungen für Lieferungen und Leistungen aus dem Bestellerland, die zur Ausführung des Exportvertrags erforderlich sind oder die einen notwendigen Bestandteil eines Gesamtprojekts darstellen. Hierzu gehören beispielsweise Aufwendungen für Lieferungen/Leistungen örtlicher Subunternehmer, für Material und Energie sowie für Personalkosten vor Ort.

Örtliche Kosten können nur in die Deckung einbezogen werden, wenn sie Teil der Ausfuhrforderung des deutschen Exporteurs sind.

Im Bereich mittel- und langfristiger Geschäfte ist darüber hinaus zu beachten, dass örtliche Kosten (zu Kreditbedingungen) generell nur bis zu einem Prozentsatz von 23 % des Auftragswerts (30 % des Exportauftragswerts) in die Deckung einbezogen werden können. Diese Regelung geht auf eine Bestimmung im OECD-Konsensus zurück, zu deren Beachtung der Bund verpflichtet ist.

Gehen die für die Auftragserbringung notwendigen örtlichen Kosten über diesen Prozentsatz hinaus, lässt sich eine Deckungsfähigkeit dieser Kosten somit nur über die Vereinbarung von Barzahlungsbedingungen herstellen.

Zusätzliche Einschränkungen der Deckungsfähigkeit von örtlichen Kosten können sich aus der konkreten Deckungspolitik für das betreffende Bestellerland ergeben.

Sind an einem Ausfuhrgeschäft eines deutschen Exporteurs ausländische Partner aus einem Drittland mit einer Zulieferung oder Transportleistung beteiligt, ergeben sich hieraus zusätzliche Risiken, die als Partnerlandsrisiken bezeichnet werden.

Während der Bund wirtschaftliche Partnerlandsrisiken - insbesondere den Fall, dass der ausländischen Zulieferer aus wirtschaftlichen Gründen seine Lieferungen nicht oder nicht in vollem Umfang erbringt - nicht absichern kann, bestehen für die besonderen politischen Risiken bestimmte Deckungsmöglichkeiten. So kann ein gedeckter Schadenfall unter der Fabrikationsrisikodeckung daraus resultieren, dass Lieferungen oder Leistungen aus dem Partnerland aufgrund politischer Maßnahmen (z.B. Ausfuhrbeschränkungen) nicht oder nur teilweise erfolgen und nicht anderweitig ersetzt werden können. Im Rahmen der Forderungsdeckung sind Partnerlandsrisiken im weiteren Sinne insoweit gedeckt, als politische Umstände im Ausland (also auch im Partnerland) den deutschen Exporteur an der Erfüllung seiner vertraglichen Pflichten aus dem Exportvertrag hindern und dadurch gedeckte Forderungen aus bereits erbrachten Lieferungen und Leistungen uneinbringlich werden.

Ist der Bund aus besonderen Gründen nicht bereit, Partnerlandsrisiken zu decken, schließt er sie durch eine besondere Klausel aus. Generell gilt, dass Partnerlandsrisiken nur Gegenstand der Deckung sind, soweit es sich um ungewisse zukünftige Risiken handelt. Verwirklicht sich hingegen ein Risiko, mit dem der Exporteur schon vorab rechnen musste, besteht hierfür kein Deckungsschutz - so etwa, wenn die Erteilung einer erforderlichen Ausfuhrgenehmigung von vorn herein zweifelhaft war. Voraussetzung für die Absicherung ist außerdem in jedem Fall, dass der deutsche Exporteur das Risiko bei Antragstellung richtig und vollständig beschrieben hat.

Üblicherweise werden Deckungsanträge bereits im Verhandlungsstadium des Exportvertrages - wenn gegen die Indeckungnahme keine Bedenken bestehen - mit sog. grundsätzlichen Stellungnahmen beschieden. Diese führen zu sog. Obligovormerkungen, sind regelmäßig auf sechs Monate befristet und können verlängert werden, bis es zur zur endgültigen Deckungszusage kommt.

Bei bestimmten Märkten bestehen aus Risikogesichtspunkten betragsmäßig beschränkte Deckungsmöglichkeiten (Plafonds). Bei den meisten Plafonds bestehen für die anzurechnenden Geschäfte im Interesse der Verteilungsgerechtigkeit Orientierungsgrößen pro Einzelgeschäft, von denen nur im Einzelfall abgewichen werden kann, wie z.B. bei Lieferungen aus den neuen Bundesländern. Die Vergabe von Plafondmitteln bereits im Stadium einer grundsätzlichen Stellungnahme kann bei starker Nachfrage dazu führen, dass unnötig Mittel für Geschäfte blockiert werden, die sich am Ende nicht realisieren. Bei den meisten Plafondländern werden deshalb Deckungsmittel erst ab dem Zeitpunkt reserviert, zu dem der Abschluss des Liefervertrages mitgeteilt wird.

Das bedeutet, dass im Verhandlungsstadium zwar auch eine grundsätzliche Stellungnahme abgegeben wird, diese aber unter dem Vorbehalt steht, dass bei Abschluss des Exportvertrages noch ausreichende Plafondmittel verfügbar sind.

Bei grundsätzlichen Stellungnahmen mit "Plafondvorbehalt" empfehlen wir Ihnen daher, umgehend den Abschluss des Ausfuhrvertrages mitzuteilen, da der Eingang dieser Benachrichtigung im Regelfall für die Vergabe der Plafondmittel entscheidend ist. Erst wenn zwei oder mehr solcher Mitteilungen an einem Tag eintreffen, wird der Antrag mit dem älteren Vertragsabschlussdatum als vorrangig behandelt.

Eine Plafondanschreibung kann auch schon erfolgen, wenn bei einem abgeschlossenen Liefervertrag ein geplanter Finanzkreditvertrag noch nicht abgeschlossen werden konnte.

Kurzfristige Geschäfte sind solche mit Risikolaufzeiten bis zu 24 Monaten; Risikolaufzeiten über 24 Monate fallen in den mittel-/langfristigen Bereich.

Es gehört zu den Prinzipien jeder Kreditversicherung, auch der staatlichen Exportkreditversicherung, dass der Deckungsnehmer mit einer bestimmten Quote am Risiko beteiligt bleibt. In einem etwaigen Schadenfall hat er also den Ausfall in Höhe dieser Quote selbst zu tragen. Diese Selbstbeteiligung soll bewirken, dass der Exporteur sowohl bei der Auswahl seiner Kunden, als auch bei der Abwicklung des Geschäftes die erforderliche Sorgfalt walten lässt und bei drohender Gefahr auch im eigenen Interesse den Schaden zu vermeiden oder zu vermindern sucht.

Im März 1999 hat der Interministerielle Ausschuss entschieden, sich künftig die Möglichkeit vorzubehalten, im Einzelfall gänzlich auf eine Selbstbeteiligung zu verzichten und eine 100 %-Deckung für gebundene Finanzkredite anzubieten. Der Grundsatz, den Deckungsnehmer am Risiko selbst zu beteiligen, soll allerdings auch weiterhin nicht in Frage gestellt werden. Eine 100 %-Deckung kommt ausnahmsweise nur dann in Betracht, wenn im Rahmen internationaler Kooperationen mit anderen staatlichen Exportkreditversicherern - gemeint sind hier insbesondere Airbus-Geschäfte und Rückversicherungsfälle - ein solcher Verzicht auf eine Selbstbeteiligung aus Gründen der Konditionenangleichung angezeigt ist, weil auch die anderen beteiligten Kreditversicherer eine 100 % -Deckung übernehmen. Voraussetzung ist dabei auch, dass neben dem Länderrisiko bei privaten Abnehmern auch deren Bonität eine 100 %-Deckung zulässt. Mit einer 100 %-Deckung ist eine Erhöhung des Entgelts wegen des entsprechenden Entgelt-Benchmarks der OECD verbunden.

Die für die staatlichen Exportkreditgarantien maßgeblichen Selbstbeteiligungssätze finden sich in dem jeweiligen § 6 der Allgemeinen Bedingungen. Sie betragen:

  • bei Einzeldeckungen und revolvierenden Deckungen für politische Risiken 5 %,
  • für wirtschaftliche Risiken und für Nichtzahlungsrisiken (protracted default) 15 %,
  • bei Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistungen 5 % für politische Risiken und 10 % für wirtschaftliche Risiken,
  • bei Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistungen-light generell 10 %,
  • bei Finanzkreditgarantien sowie bei Fabrikationsrisikodeckungen für alle Risiken 5 %.

Insbesondere bei Großaufträgen wird häufig vom Exporteur verlangt, Garantien für die Vertragsdurchführung zu stellen. Der Exporteur kann sich beim Bund gegen folgende Risiken absichern:

  1. Risiko einer widerrechtlichen Inanspruchnahme aus politischen Gründen,
  2. Risiko einer rechtmäßigen Inanspruchnahme der Garantie, weil der Exporteur aus im Inland oder Ausland liegenden politischen Gründen seine Verpflichtungen nicht erfüllen kann und
  3. Risiko der Uneinbringlichkeit eines nachgewiesenen Rückzahlungsanspruchs aufgrund einer sonstigen widerrechtlichen Inanspruchnahme der Garantie.

Eine Vertragsgarantiedeckung kann für jede im Geschäftsverkehr übliche Garantieform beantragt werden.

Vertragsgarantiedeckungen werden grundsätzlich nur zusammen mit einer Fabrikationsrisiko- und/oder Lieferantenkreditdeckung übernommen. Beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen ist jedoch auch eine isolierte Indeckungnahme möglich.

Die Vertragsgarantiedeckung kann mit einer sog. "Avalgarantie" ergänzt werden. Die Avalgarantie gewährleistet, dass dem Kreditinstitut / Kautionsversicherer bis zu 80 % der gezogenen Garantiesumme vom Bund auf erstes Anfordern erstattet werden, unabhängig vom Ziehungsgrund und somit insbesondere auch im Falle des fair calling.

Rohstoffe

Für Darlehen an Regierungen und Körperschaften des öffentlichen Rechts im Ausland übernimmt der Bund auf Antrag Bürgschaften, die das Nichtzahlungsrisiko abdecken. 

 Zum Aufbau und zur Förderung marktwirtschaftlicher Strukturen insbesondere in Mittel- und Osteuropa übernimmt die Bundesregierung Garantien für UFKs an ausländische Banken, die die Mittel zur Finanzierung eines KMU-Förderprogramms einsetzen.

Voraussetzung für die rohstoffpolitische Förderungswürdigkeit ist ein gesamtwirtschaftliches Interesse an der Versorgung deutscher Unternehmen mit dem betreffenden Rohstoff. Dabei stehen langfristige Aspekte im Vordergrund, nicht kurzfristige Marktentwicklungen. 

UFKs für Förderbankenprojekte dienen der Refinanzierung eines KMU-Programms, in dessen Rahmen die ausländische Förderbank (Darlehensnehmerin) Investitionskredite an KMUs vergibt. Die Grundzüge des Programms (Definition der Zielgruppe, Konditionen der Endkreditvergabe etc.) werden im Darlehensvertrag (oder einem Anhang dazu) geregelt. 

Ein UFK wird zweckgebunden zur Finanzierung eines bestimmten Projektes (Rohstoffprojekt oder KMU-Programm) vergeben. Im Falle eines Rohstoffprojektes erfolgen die Rohstofflieferungen nach Deutschland aus diesem Projekt. 

Eine Einbeziehung wirtschaftlicher Risiken ist in besonderen Ausnahmefällen grundsätzlich möglich und bedarf einer gesonderten Einzelfallentscheidung des Bundes. Die Deckung wirtschaftlicher Risiken kommt insbesondere dann in Betracht, wenn aufgrund der Projektstruktur oder der Verhältnisse im Investitionsland eine klare Abgrenzung zwischen politischen und wirtschaftlichen Risiken nicht möglich erscheint (z.B. ehemalige Staatshandelsländer). 

Die Lieferung von Rohstoffen nach Deutschland ist Voraussetzung für die Indeckungnahme eines Rohstoff-UFKs. Dabei muss die Liefermenge bzw. der Lieferwert in einem angemessenen Verhältnis zum Darlehensbetrag stehen. 

Zur Sicherung der Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft übernimmt die Bundesregierung Garantien für UFKs an ausländische Rohstoffproduzenten. Voraussetzung ist u. a. die Lieferung von Rohstoffen an ein deutsches Unternehmen. 

Darlehen, die für ein bestimmtes kommerzielles Vorhaben (Grundsatz der Projektbindung) gegeben werden und nicht im Zusammenhang mit deutschen Lieferungen oder Leistungen stehen. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt der Bund für förderungswürdige Vorhaben auf Antrag eine Deckung.

Für UFK-Garantien ist ein zweistufiges Antragsverfahren vorgesehen. In der ersten Stufe gibt der Bund eine Indikation zur grundsätzlichen bzw. rohstoffpolitischen Förderungswürdigkeit des Projektes. In einer zweiten Stufe entscheidet der IMA über die Indeckungnahme des konkreten Projektes.